Thema:

Forschung

Forschung an der IB-Hochschule

Forschungskonzept der IB-Hochschule Berlin

Fassung vom 15.09. 2011

Beschlossen durch den Akademischen Senat am 25.11.2011

1. Grundlegende Zielsetzung
Aktive Forschung ist für die Gestaltung einer aktualitätsbezogenen und lebendigen Lehre sowie für die wissenschaftliche Beteiligung an gesellschaftlichen Prozessen ein zentrales Aufgabenfeld der Professoren der IB-Hochschule Berlin.

Die “Corporate identity” des Internationalen Bundes IB als Träger der IB-Hochschule Berlin mit ihrem entschieden sozialen und bildungspolitischen Engagement stellt die Wertebasis für die Forschung an der IB-Hochschule Berlin dar und schafft auch eine positive Profilabgrenzung von anderen Hochschulen. Sie positioniert sich in einem Spannungsfeld von verschiedenen sozialwissenschaftlichen Bereichen der Gesundheitswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften sowie Erziehungswissenschaften und Kommunikation. In ihrem aktuellen Ausbaustadium mit zwei Fakultäten konzentriert sich die IB-Hochschule Berlin zunächst auf gesundheitswissenschaftliche und kommunikationswissenschaftliche Forschungsthemen; Wirtschafts- und Erziehungswissenschaften sollen in den Jahren ab 2013 entwickelt werden. Das Forschungskonzept der IB-Hochschule Berlin steht dabei im Spannungsfeld zwischen den Leitzielen und dem Profil der Hochschule einerseits und den konkreten Forschungsaktivitäten der zunächst mit dem Schwerpunkt Lehre berufenen Professoren andererseits. Zugleich haben Professoren in ihrem jeweiligen Arbeitsgebiet bereits Forschungsprojekte in Angriffe genommen und Drittmittel-Forschungsanträge gestellt, Pilotprojekte begonnen und Abschlussarbeiten für die Studierenden in diesen Feldern vergeben. Die IB Hochschule Berlin baut ihr Forschungskonzept mit aktiver Beteiligung der Professoren schrittweise aus. Es dient als Leitfaden für die zunehmend interdisziplinär fortschreitende Forschung in den verschiedenen sozialwissenschaftlichen Wissensgebieten der IB-Hochschule Berlin und dient als Leitfaden zur Berücksichtigung bei der Berufung neuer Kolleginnen und Kollegen.

Die IB-Hochschule Berlin unterstützt den Aufbau des Forschungsbereiches mit Projektfinanzierungen sowie für eine verstärkte Forschungsaktivität durch Deputatsfreistellungen und andere persönliche Anreize in der Projektbearbeitung. Studierende werden mit Abschlussarbeiten und Projekten beteiligt. Die Forschung soll sich perspektivisch mit der Akquisition von Drittmitteln selbst tragen können.

Neben der Durchführung von Projekten der empirischen Sozialforschung in allen zuvor genannten Themenbereichen möchte sich die IB-Hochschule Berlin künftig auch in den wissenschaftlichen Diskurs stärker einbringen und im Rahmen ihrer Etablierung als wissenschaftliche Institution regelmäßige wissenschaftliche Vortrags- und Diskussionsreihen als „IB-Gespräche zu Wissenschaft und Gesellschaft“ initiieren; als wissenschaftliche Perspektive möchte die IB-Hochschule Berlin somit eine Plattform für sozial-, gesundheits- und bildungspolitischen Diskurs werden.

2. Thematischer Zielrahmen

Das Forschungskonzept soll gesellschaftsbezogene, hochschulspezifische Leitlinien schaffen, in die sich verschiedene Disziplinen mit ihren jeweiligen Wissens- und Forschungsbereichen einbringen können. Grundlagen der Forschung an der IB-Hochschule Berlin liegen zunächst in den angestammten Kompetenzfeldern des Internationalen Bundes IB – mit einer sozial-, arbeits- und gesundheitswissenschaftlichen sowie kultur- und wirtschaftswissenschaftlichen Ausrichtung. Sie soll sich durch Praxisnähe bzw. Anwendungsorientierung auszeichnen.

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    Der inhaltliche Fundus einer Disziplin entstammt in der Regel einerseits der Erfahrung, andererseits der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Inhalten des jeweiligen Fachgebiets, sowie meist auch der Beschäftigung mit Zuliefer- und Nachbardisziplinen. Ohne wissenschaftliche Untersuchungen und Überprüfungen wären viele Fachgebiete von vorne herein überlieferten Mythen sowie wechselnden Strömungen und Marktinteressen ausgeliefert. Dadurch bliebe die Chance eines dem Menschen und der Gesellschaft nachhaltig zum Vorteil gereichenden Fortschritts wohl meist auf der Strecke. Deshalb fungiert wissenschaftliche Forschung als zentraler Träger der Lehrinhalte und Forschungsthemen werden an der IB-Hochschule Berlin in der Regel von den in der Lehre behandelten Problemen und Fragen abgeleitet.

    Die im Grundgesetz verankerte Wissenschaftsfreiheit und die Hauptverantwortung der Professoren für die Gestaltung von Forschung schließen selbstverständlich nicht aus, dass die IB-Hochschule auf diesem Gebiet, wie auch auf dem der Lehre, bestrebt ist, ein Richtung weisendes Konzept zu entwickeln. Grundlage dieses Konzepts ist dessen Übereinstimmung mit den allgemeinen Bildungsidealen und den Kompetenzfeldern des Internationalen Bunds. So soll neben dem Niveau der Vermittlung von Wissen und Können die wissenschaftliche Tätigkeit einen Beitrag zur Akademisierung von qualifizierten Fachberufen leisten. Dies erfolgt insbesondere dadurch, dass Studierende mit den Methoden und Ergebnissen von Forschung konfrontiert werden. Dabei sollen sie – nach Möglichkeit – an auch der Planung und Durchführung von Untersuchungen und Experimenten beteiligt werden. Selbstverständlich setzt diese Bestrebung voraus, dass die Forschung vorwiegend auf Praxisrelevanz ausgerichtet ist. Vorstöße in fundamentale Sphären sind freilich bei Bedarf nicht auszuschließen, kann es doch vorkommen, dass die Praxis grundsätzliche Probleme, Fragen und Themen aufwirft, die von der Grundlagenforschung noch nicht – oder nicht in geeigneter Weise – erfasst worden sind. Praxis ist durchaus in der Lage, Theorie und die damit verbundene Grundlagenforschung zu befruchten, so wie diese der Praxis, einschließlich der angewandten Forschung, Anleitung zu geben vermögen. Die Ansätze können insofern als komplementär eingestuft werden.

    Generell zeichnen sich die Forschungsschwerpunkte der IB-Hochschule Berlin durch Praxisnähe bzw. Anwendungsorientierung aus. Besonders angewandte Forschung ist jedoch der Gefahr ausgesetzt, sozial und ethisch zu erblinden und lediglich Moden oder den Interessen gewisser gesellschaftlicher Gruppen zu dienen. Aus diesem Grunde muss neben der Auftragsforschung auf jeden Fall auch hochschuleigene Forschung betrieben werden, was keinesfalls den Rückzug in die intellektuelle Abgeschiedenheit des elfenbeinernen Turms bedeuten soll und Kooperationen mit anderen Hochschulen sowie Forschungsinstituten, Organisationen, Verbänden und Betrieben selbstverständlich nicht ausschließt.

    In der Forschung sind sämtliche wissenschaftstheoretischen und methodischen Ansätze denkbar, sofern sie adäquat und mit den allgemein anerkannten ethischen Grundsätzen vereinbar sind. Das Methodenspektrum reicht von Einzelfallstudien über philologisch-hermeneutische Theorie- und Modellbildung bis hin zu Feldforschung und Experimentalverfahren und schließt, wo dies gängig und erforderlich ist, die stochastische Analyse ausdrücklich ein. Die angewandte Forschung muss aber auch der Entwicklung neuer Produkte und Verfahren Platz einräumen. Dies gilt sowohl im gesundheitswissenschaftlichen Bereich als in den Kultur-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Durch die Einbeziehung von Entwicklungsprojekten kann die Verbindung der Forschung mit der beruflichen Ausbildung gewährleistet werden.

3. Themenfelder der Forschung

Eine besondere Gewichtung kommt der Forschung ohnehin in den angestammten Kompetenzfeldern des Internationalen Bundes – sozial, arbeits- und gesundheitswissenschaftlicher sowie kultur- und wirtschaftswissenschaftlicher Ausrichtung – zu. Inhaltlich spielen Individuum und Gesellschaft die zentrale Rolle und werden in den folgenden Themenfeldern betrachtet:

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    Themenfeld 1: Gesundheit und Wohlbefinden im Spannungsfeld der Gesellschaft

    Gesundheit und Wohlbefinden als zentrales Gut der Gesellschaft stehen am Ausgangspunkt der Entwicklung von Forschung In der Fakultät für Gesundheitswissenschaften mit dem Ziel, den Anschluss an das Wissen anwendungsorientiert, nah am Menschen und Studierenden zu fördern. Im Zentrum des Interesses stehen Zielgruppen, die in der Gesellschaft am stärksten der Hilfe bedürfen. Herausforderungen in einer Gesellschaft des längeren Lebens: Wie lassen sich die nicht-medizinischen bzw. therapeutischen Berufe im ambulanten Bereich und der Rehabilitation für die Versorgung von chronisch oder mehrfach erkrankten Patienten in einer älter werdenden Gesellschaft verbessern und ausgestalten? Zu diesem Schwerpunkt sind gezielte Projekte und Forschungsvorhaben in der Vorbereitung und im Gang.

    Themenfeld 2: Gesundheit und Wohlbefinden im Vergleich der Kulturen

    Wie beeinflussen unterschiedliche Werte in unterschiedlichen Kulturen Gesundheitsbilder und Verhalten und was folgt daraus für Therapieformen? Forschungsvorhaben zielen auf Einsichten in die Unterschiede, wie verschiedene Kulturen, ethnische Gruppen, ältere und jüngere Menschen, ärmere und reichere Gruppen mit Gesundheit gegenüber anderen Werten umgehen, z. B. Genuss, Leistung, religiösen Ansichten, Mentalitäten, Risikohaltung. Die Zielsetzung ist die Erarbeitung patientenorientierter auf das Individuum bezogener Therapieformen.

    Themenfeld 3: Forschung im sozialräumlichen Umfeld mit einem Schwerpunkt auf Bedingungen und Störung von Gesundheit und Kommunikation

    Was bedeutet Gesundheit und Wohlbefinden in den verschiedenen Gruppen der Gesellschaft? Wie gehen sie damit um? Forschungsprojekte erforschen den Umgang mit den Sinnen, deren Störung durch Lärm oder die Abhängigkeit von Medien (Suchtformen), der sich z. B. bei Jugendlichen radikal verändert. Wo liegen die Grenzen der technischen Medizin und wo beginnt die lebensbezogene Therapie in verschiedenen Gruppen- und Lebenssituationen? Wie kann mit existenziellen Grenzerfahrungen in der Kommunikation umgegangen werden? Wie können staatliche Institutionen und private Unternehmen damit umgehen? Forschungsvorhaben suchen Antworten auf die Frage, wie Betreuung und Therapien ohne bzw. mit technisch-medizinischen Unterstützungen wirken und welche Gesellschafts- und Kommunikationsanforderungen daraus erwachsen.
    Auch Fragen der Wahrnehmung von Realität und der damit verbundenen Bildung eidetischer Vorstellungen sowie deren elementarpädagogische Förderung fallen im weitesten Sinne unter diesen Ansatz.

    Themenfeld 4: Gestaltung als Organisation von Komplexität

    In der Fakultät für Kulturwissenschaften, Studiengang Kommunikationsdesign, steht im Fokus aller Forschungsvorhaben die These, dass die Funktion von Gestaltung/Design die Organisation von Komplexität ist. Insoweit ist jede Vereinfachung von Benutzung, Handhabung, Orientierung, Verarbeitung ein erstrebenswertes Ziel des Designs. Um dies zu erreichen, bedarf es zunächst gründlicher Recherche und Untersuchung. Ausgehend von empirischen Studien (z.B. des Umgangs mit der Telefonie oder der Webnutzung), schließen sich dann Experimente an, mit dem Ziel eine Konstruktion zu entwickeln, die im weitesten Sinne komplexe Prozesse reduziert, vereinfacht und veranschaulicht. Interfacedesign, Interactiondesign und Visualisierung sind nur einige der Bereiche, in denen in diesem Sinne Entwicklungs- und Forschungsarbeit betrieben wird.

    Themenfeld 5: Das Bild der Gesellschaft und das Bild hinter dem Bild

    Im Bereich Kommunikationsdesign kann die differenzierte, systemisch reflektierte Entwicklung neuartiger Produkte im weitesten Sinne als angewandte Forschung (Fallstudie) eingestuft werden.
    Im Zuge des Iconic Turn werden Fragen der Bildwissenschaft zunehmend relevant. Die relative Neuartigkeit dieses Forschungsgebiets, das überhaupt erst dabei ist, sich als Wissenschaft zu konstituieren, bringt es mit sich, dass angewandte Forschung sich zuweilen fundamentaleren Aspekten zuwenden muss. Fragen der Notation im Bildbereich, der Materialität, der Fotografie etc. werden unter die Lupe genommen.

Stand

Berlin, 15.09.2011